Aufschieben war gestern: Strategien gegen Prokrastination
Maria Jensen | 02. February 2026 | Lesedauer: 6 Minuten | Lernorganisation & Fokus
Fast jede/jeder kennt es: Man sitzt am Schreibtisch, der Lernstoff liegt bereit – und trotzdem fällt es schwer, anzufangen. Stattdessen wird die Wohnung aufgeräumt, der Kühlschrank sortiert oder „nur kurz“ aufs Handy geschaut. Willkommen in der Welt der Prokrastination.
Die gute Nachricht: Prokrastinieren ist menschlich – und kein Zeichen von Faulheit. Meistens steckt dahinter eine Überforderung, fehlende Struktur oder Angst vor dem Versagen. Umso wichtiger ist es, sich selbst nicht zu verurteilen, sondern Strategien zu finden, mit denen du wieder ins Handeln kommst.
1. Die 2-Minuten-Regel: Sofort loslegen
Wenn du merkst, dass du gerade aufschiebst, frag dich: Kann ich diese Aufgabe in weniger als zwei Minuten erledigen?
Wenn ja – tu es sofort. Ob es eine kurze Nachricht ist, das Öffnen eines Lernskripts oder das Aufräumen des Schreibtischs: Kleine Erfolge aktivieren dein Belohnungssystem und setzen positive Energie frei.
Denn: Wer einmal in Bewegung ist, bleibt oft leichter in Bewegung.
2. Zeitblöcke setzen – mit der Pomodoro-Technik
Große Aufgaben wirken oft abschreckend. Die Lösung: Teile deinen Lerntag in überschaubare Zeitblöcke. Die bewährte Pomodoro-Technik sieht so aus:
25 Minuten konzentriertes Arbeiten
5 Minuten Pause
Nach vier Blöcken: eine längere Pause von 15–30 Minuten
Dieser Rhythmus hilft, fokussiert zu bleiben – und verhindert geistige Erschöpfung.
Tipp: Nutze Timer oder Apps wie „Forest“ oder „Focus To-Do“, um am Ball zu bleiben.
3. Digitale Ablenkungen bewusst begrenzen
Oft liegt die größte Versuchung nur einen Klick entfernt: Nachrichten, Videos, endloses Scrollen. Deshalb: Mach es dir einfach, nicht abgelenkt zu werden.
Handy in den Flugmodus oder in ein anderes Zimmer legen
Benachrichtigungen deaktivieren
Nur die Tabs offen halten, die du wirklich brauchst
Browser-Add-ons wie „LeechBlock“ oder „StayFocusd“ nutzen
Wichtig: Nicht auf Selbstdisziplin verlassen – sondern dein Umfeld so gestalten, dass du gar nicht erst in Versuchung gerätst.
4. In kleinen Schritten denken
„Mathe lernen“ oder „Biologie verstehen“ klingt riesig – und schreckt ab. Stattdessen: Konkretisiere deine Aufgabe.
Statt: „Biologie lernen“
Besser: „Zellatmung auf Seite 42 lesen und Notizen machen“
Je greifbarer und klarer die Aufgabe, desto geringer die Hemmschwelle, sie anzupacken.
5. Belohnungen gezielt einsetzen
Lernen darf – und sollte – mit positiven Gefühlen verbunden sein. Setze dir nach jeder erledigten Lerneinheit eine kleine Belohnung:
eine Tasse Kaffee
10 Minuten frische Luft
ein Lied deiner Lieblingsplaylist
eine Folge deiner Serie am Abend
Das macht Lernen nicht nur erträglicher, sondern trainiert dein Gehirn, Erfolg mit positiven Reizen zu verknüpfen.
6. Perfektionismus enttarnen
Manche Prokrastination ist in Wahrheit getarnter Perfektionismus: „Ich fange erst an, wenn ich die perfekte Struktur habe…“ oder „Ich kann das erst machen, wenn ich wirklich alles verstanden habe.“
Doch oft ist es besser, einfach anzufangen – auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Fortschritt schlägt Stillstand. Du kannst später immer noch überarbeiten, verbessern, verfeinern. Wichtig ist: Du kommst ins Tun.
Fazit: Du musst nicht perfekt sein – nur anfangen
Prokrastination verschwindet nicht durch Selbstvorwürfe, sondern durch Klarheit, Struktur und kleine Erfolge. Mit den richtigen Strategien kannst du sie in den Griff bekommen – Schritt für Schritt.
Und denk daran: Jeder Anfang ist ein Erfolg.